Bücher, Tanz und Leckereien – Spanische Nacht von SPD-Frauen und Bibliotheksteam mit Lesungen und Musik

Draußen kühl und Nieselregen, aber in der Bibliothek wurde es den knapp 50 Damen immer wärmer. Sie ließen sich von Leseproben, Musik und Tanz nach Spanien entführen.

Dass der Manteler Schmökertempel eine Erfolgsgeschichte ist, ist klar, aber am Freitag wurde er noch durch das überwältigende Buffett mit Tapas und Getränken wie Sangria zu einem Gourmettempel aufgewertet. Die SPD-Frauen unter Leitung von Traudl Ucles hatten am Nachmittag stundenlang die kleinen Leckereien vorbereitet.

Liane Schmid gab nach der Vorstellung des Landes durch Ucles eine Leseprobe aus dem Buch von Andrea Parr: „Das kommt mir spanisch vor – Madrid für Anfänger“. Eine bayerische Familie wandert nach Madrid aus, erlebt die Vergnügungssucht der Spanier und den Willen zur Siesta.

Plausch wichtiger als Einkauf

„Essen ist in Spanien ein Gefühlserlebnis. Dabei wird geredet, gelacht, und werden Geschäfte gemacht. Ein Spanier allein ist nicht überlebensfähig, und wer keine Familie hat, sucht sich eine.“ Die Gäste erfuhren, dass der Plausch mit Fleischverkäufer oder Gemüsefrau in den Markthallen wichtiger sei als der Einkauf selbst.

Silvia Klier hatte sich einen Spanischen Krimi von Arturo Pérez-Reverte als Lesung ausgesucht. Pérez-Reverte ist einer der meistübersetzten spanischen Autoren überhaupt. „Jagd auf Matutin“ erschien 1995. Der Roman spielt in Sevilla. Elf Minuten vor Mitternacht dringt ein Hacker in den Privat-Computer des Heiligen Vaters in Rom ein und bittet ihn um Hilfe, da in Sevilla ein Haus Gottes bedroht sei und es dort Todesfälle gebe. Wie die Geschichte ausging, ließ Klier offen als Anregung für die Damen, selbst weiterzulesen.

SPD-Chefin Andrea Bertelshofer hatte sich „Wie ein Stein im Geröll“ von Maria Barbal ausgesucht. „Dieses Buch hat etwas, was nur ganz wenige Bücher ganz selten haben. Man liest es und bekommt Kraft, es ist traurig aber nicht wehleidig“, empfahl Elke Heidenreich. Die 13-jährige Conxa kommt zu einer kinderlosen Tante, weg von der Familie und arbeitet dort im Haus und auf dem Feld mit. Sie verliebt sich in Jaume, den Sohn des Schmids. Der Bürgerkrieg bringt dann zum zweiten Mal ihre Welt durcheinander und verändert ihr Leben.

Markträtin Daniela Fuhrmann beleuchtete die Oper „Carmen“ und übersetzte Teile des Liedes „La Habanera“. Sie legten den Zuhörerinnen außerdem einen Opernfilm und einen über Flamenco zum Thema Carmen ans Herz und überreichte beide als DVD an Elisabeth Graßler für die Marktbibliothek.

Ucles berichtete einiges über Flamenco, bei dem es um unerreichte Liebe, Leid oder auch Ungerechtigkeit geht. Zwischen den Literaturvorträgen begeisterte Melanie Häckel mit Spanischer Gitarre und Gesang die Damen. Virtuos intonierte sie „Sevillanas“, und bei „Recuerdos de la Alhambra“ wurde die Schönheit des Bauwerkes in Granada gewürdigt. Wahre Begeisterungsstürme erntete die blonde Künstlerin, als sie sich bei „La Habanera“ in die feurige Carmen verwandelte.

Deckel oder Medizin

Zu den kulinarischen Genüssen leitete dann Liane Schmid über. Eine Legende erzählt, dass König Alfonso X. von einer Krankheit geheilt wurde, als er nur etwas Wein und kleine Mahlzeiten zu sich nahm. Er befahl allen Wirten, zum Wein kleine Köstlichkeiten zu servieren, die Tapas. Tapa heiße aber auch Deckel. Auf Getränke wurden Tellerchen als Schutz vor Ungeziefer gestellt. Dann wurde mal eine Scheibe Schinken oder ein Brot draufgelegt. So waren die Tapas geboren.

Die Gäste genossen Feigen mit Speck, Tortilla aus Kartoffeln oder mi Steinpilzen, Käsespieße, Blätterteiggebäck, Knoblauchbrot mit Chorizo Salami und süße Schokoladen- sowie Zitronenkuchen.

(Quelle: oberpfalznetz.de)







Alle verfügbaren Stühle herangeschleppt

Absoluter Besucherrekord beim „Lichtblicke“-Kasperltheater in Mantel: 190 Kinder sehen zu

Das war absoluter Rekord. 190 Kinder kamen mit ihren Eltern oder Großeltern zur Aufführung der „Umwelthexe Dorothea“ durch Hermann’s Kasperltheater. Was gibt es Schöneres, als bei Nieselregen drinnen in der Schulaula Abenteuer zu erleben? Elisabeth Graßler, Leiterin der Marktbibliothek, schleppte mit ihrem Team alle verfügbaren Stühle heran.

Gäste aus Kirchenthumbach, die tags zuvor bei der Aufführung des selben Stücks in Weiden keinen freien Platz mehr gefunden hatten, kamen dann in Mantel unter. Die Brüder Hermann und Hans Papacek touren in den Ferien mit ihrer Puppenbühne durch die Orte, der Erlös kommt schon im siebten Jahr der Aktion „Lichtblicke“ des Medienhauses „Der neue Tag“ zugute.

Auch die zwölfte Vorstellung wurde den Puppenspielern nicht langweilig. „Kasperltheater ist unser Hobby. Das kann gar nicht langweilig werden“, sagte Hermann Papacek. „Das Umweltstück ist eigentlich eher für Kinder ab vier Jahren geeignet, aber auch die Kleineren gucken fasziniert auf die bunten Figuren,“ sagte der Puppenspieler.

Die Raben Pedro und Peppino begrüßten die Kinder. Peppino kam zu spät, weil er in der Marktbibliothek so viele Kinderbücher gefunden und dort zu lange geschmökert hatte. Dann startete das Stück. In Kasperlhausen ist der Ärger groß. Bonbonpapiere werden auf den Marktplatz geworfen, Diener Ferdinand vom Schloss, der wie König und Prinzessin an Heuschnupfen leidet, wirft einfach ein Taschentuch weg und Räuber Hotzenplotz sogar einen ganzen Müllsack.

Als Kasperl diesen gewissenhaft entsorgen will, entdeckt ihn Polizist Dimpflmoser und will ihn als vermeintlichen Umweltsünder sehr zur Empörung der Kinder verhaften. Sogar in den Nachrichten von „Radio Ramasuri“ wird der Umweltskandal verkündet. Großmutter kann gar nicht glauben, dass Kasperl der Missetäter sein soll. Der Teufel macht natürlich alles noch schlimmer, in dem er versucht, Kasperl zu verpetzen. Kasperl sucht Hilfe bei der Umwelthexe Dorothea. Die stellt sich mit einem Lied vor: „Wenn ich all den Müll nur seh, tun mir schon die Augen weh.“ Mit Hilfe der Kinder, die den Kasperl wie immer kräftig unterstützten, klärt sich natürlich alles auf, und Kasperl wird von allen Umweltsünden reingewaschen.

Weitere Abenteuer mit dem Kasperl gibt es ab 10. Oktober, wenn in Edeldorf bei der Puppenbühne das Winterprogramm startet.

(Quelle: oberpfalznetz.de)







Haiti aus eigener Erfahrung

Lothar Wiesner referiert in der Marktbibliothek über das Leben seines Bruders – 2400 Euro Spenden

Haiti lässt Lothar Wiesner nicht los. Nicht erst seit dem verheerenden Erdbeben von vor gut drei Wochen. Vor 18 Monaten besuchte der Manteler zuletzt seinen Bruder Joachim in dem karibischen Armenhaus. „Es gibt kein Wasser, keinen Strom, der Hafen und der Flughafen sind beschädigt. Es gibt keine Regierung.“

So schilderte Lothar Wiesner die Lage auf der Grundlage von E-Mails seines Bruders Joachim, der in Cap Haitien, 400 Kilometer weit weg vom Erdbebengebiet, lebt. Doch auch Joachim und seine haitianische Frau haben viele Bekannte und Freunde durch das Erdbeben in und um Port-au-Prince verloren.

Joachim will sich indes weiter für eine Schule und ein Waisenhaus engagieren, das seine Schwägerin Claudette gegründet hat. Schule und Waisenhaus hätten noch Kapazitäten für neue Kinder frei, aber durch die Katastrophe sind die Eltern noch ärmer geworden, so dass sie nicht einmal das geringste Schulgeld aufbringen könnten. Die Einrichtung sei deshalb mehr denn je auf Spenden angewiesen. Schon mit zehn Euro monatlich könne man einem Kind den Schulbesuch ermöglichen und mit 50 Euro monatlich ein Waisenkind fördern.

Auch die Familie von Joachim Wiesner lebt bescheiden. Ihr Haus besitzt keine Fensterscheiben, aber dafür Gitter, denn: „Geklaut wird alles.“ Zum Duschen und Zähneputzen müssen einige Tassen Wasser reichen. „Wenn es Benzin gibt, können der Generator betrieben und die Batterien geladen werden, und dann läuft auch der PC.“

Korruption allgegenwärtig

Lothar Wiesner schwenkte von den Katastrophenbildern um zu Eindrücken vom Waisenhaus und von der Schule. Wie Joachim berichtet, werde in Haiti nahezu jeder Vorgang über Korruption geregelt. „Aber auch die Leute in den Slums legen Wert auf Sauberkeit“, überzeugte sich Lothar Wiesner. Zum Spielen haben die Kinder oft nur eine alte Schubkarre oder einen Karton – aber sie wirken fröhlich.

Vodoo und Christentum

Zur haitianischen Kultur gehört auch der Vodoo-Zauber. Vodoo-Priester sind angesehene Leute. Daneben gibt es auch absolutes christliches Gottvertrauen. Öffentliche Taxis sind bunt bemalt und tragen die Aufschrift „Jesus soll Haiti retten“. Bei allem Elend kann man sich aber heute nicht mehr vorstellen, dass Haiti früher die reichste Kolonie Frankreichs war, erklärte der Referent.

Der von der Marktbibliothek und Lothar Wiesner organisierte Abend brachte auch einen tollen Erfolg für das Schulprojekt von Joachim Wiesner und seiner Schwägerin. Apothekerin Evelyn Badewitz, die selbst auch eine Spende überreichte, hatte ihrer Freundin Sandra Loew davon erzählt. Die Chefin der Dr. Loewschen Einrichtungen begeisterte dafür ihre Mitarbeiter. Badewitz überreichte im Auftrag ihrer Freundin und deren Mitarbeiter die stolze Summe von 1670 Euro an Spenden. Insgesamt brachte der Abend 2420 Euro für Schule und Waisenhaus in Cap Haitien. Einige Zuhörer äußerten auch die Absicht, dass sie noch Daueraufträge über zehn und 50 Euro zum Konto 8489890 bei der Commerzbank (BLZ 30040000) einrichten wollen.

Weitere Informationen im Internet:

http://www.haitikids.de

(Quelle: oberpfalznetz.de)







Von Landsknechten und Landsern

Aus Manteler Perspektive: Bernhard Weigl unternimmt einen Streifzug durch Jahrhunderte voller Kriege

Bei Vorträgen in der Marktbibliothek herrscht meist Frauenüberschuss in der Zuhörerschaft, doch als Heimatforscher Bernhard Weigl über Kriege und ihre Auswirkungen auf Mantel berichtete, waren jede Menge Herren, unter anderem von der Soldaten- und Reservistenkameradschaft, dabei.

Ob die Hussiten durch Mantel zogen, ist nirgendwo schriftlich erwähnt, sagte Weigl. Er zeichnete auf, wie früher der Manteler Wehrfriedhof aussah. Vom Turm der heutigen evangelischen Kirche ist jede Straße gut einsehbar. Feinde waren schon von weitem zu erkennen. Der Marktplatz wurde also sehr genau strategisch geplant und gebaut.

Brandschatzer unterwegs

Jeder Hauseigentümer musste sich nach seinen Mitteln bewaffnen. Weigl zeigte mit einer Zeichnung, wie damals die verschiedenen Manteler Bürger, namentlich bezeichnet, ausgerüstet waren. „Wenige Leute wissen, dass das Lied ,Maikäfer flieg‘ schon aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges stammt.“ Die Oberpfalz und Böhmen waren ein Hauptschauplatz der Kämpfe von 1618 bis 1648. Als General Gallas durch Mantel zog, brannten 17 Häuser nieder. Ein weiteres Desaster war 1634 die Pest.

Zum 18. Jahrhundert erklärte Weigl, dass sich die Soldaten nach der Entlassung selbst überlassen waren, wenn sie nicht vorgesorgt hatten, endeten sie als Bettler. Hier gab es den Hinweis auf das heutige Zeilerhaus gegenüber von St. Moritz, das 1752 als Klause für einen ehemaligen Soldaten, der sein Leben als Mönch beendete, gebaut wurde.

Beim Krieg zwischen Frankreich und Österreich waren 1796 beim Durchzug der österreichischen Armee 292 Mann und 281 Pferde im Markt einquartiert.

Der Referent stellte immer wieder einen Bezug zu den Namen auf dem Manteler Kriegerdenkmal her. So stehen dort als Gefallene im Krieg 1870/71 Preußen gegen Frankreich Johann Michael Götz und Michael Prölß und auch der 1904 in Deutsch-Südwestafrika (Namibia) getötete Soldat Ludwig Wendler.

Weigl zeigte auch die Stammrolle für alle Soldaten des Ersten Weltkriegs auf. Damals fielen 36 Manteler und drei Rupprechtsreuther. Weigl erklärte, wo in Frankreich ein Teil dieser Toten die letzte Ruhe fand.

Der Zweite Weltkrieg ist 65 Jahre nach Beendigung immer noch ein schwieriges Thema, fand der Heimatforscher. Seit 1933 wurden alle „Abweichler“ verfolgt. Auch Pfarrer Schächtl aus Mantel wurde inhaftiert.

Bilder von Soldaten, die an die Front mussten, zeigten alle keine begeisterten Gesichter. Als erster Manteler fiel am 27. September 1939 Karl Mühlbauer im Alter von 23 Jahren, ihm im folgte am 25. Mai 1940 Hans Sechser. Auf dem Kriegerdenkmal steht auch ein einziger weiblicher Name. Maria Ried, die in Nürnberg dienstverpflichtet war, kam bei einem Luftangriff am 29. August 1942 ums Leben. Es gab Fotos von einem Aufmarsch anlässlich von Hitlers 50. Geburtstag auf dem Marktplatz. „Diese Bilder sollte man ganz einfach als Zeitdokumente betrachten und nicht bewerten“, sagte der Referent.

Über den Suchdienst der Deutschen Kriegsgräberführsorge kann jeder herausfinden, wo seine Vorfahren eventuell auf einem Soldatenfriedhof begraben liegen. Eine Karte zeigte, dass die Manteler Gefallenen aus dem Zweiten Weltkrieg verstreut in ganz Europa bestattet sind.

Glück zu Kriegsende

Das Kriegsende zeigte Weigl mit dem Einmarsch der Amerikaner. Mantel hatte Glück dass es nicht zerstört wurde. In der Waldabteilung „Blödling“ gibt es auch noch einen Bombentrichter aus dem Zweiten Weltkrieg, der mit Grundwasser gefüllt ist.

Der Vortrag war so lebendig und spannend, dass die Gäste überrascht waren, dass nach den letzten Worten und Bildern fast zweieinhalb Stunden vergangen waren, von denen keine einzige Minute langweilig war.

(Quelle: oberpfalznetz.de)